Als die Glocke mich in jener Nacht weckte, wusste ich, dass ich nun endlich die Geschichte schreiben durfte – 25 Jahre nach den Geschehnissen, wie ich damals geschworen hatte, weil ich es schwören musste…

Der 15-jährige Ulf Nevoh ging am Sonntagabend, dem 23. Oktober 1983, zu seinem Lieblingsplatz, an den Externsteinen und wollte dort endlich das nackte Mädchen treffen, von dem er immer geträumt hatte.

Ihm begegnete jedoch die alte Alma, die nur noch einen Finger hatte und diesen letzten abschnitt, um Ulf für immer für ihre Tochter Lonka zu haben. Alma erzählte von ihrem Geliebten, der sie vor vielen Jahren ermordet hatte.

Noch in dieser Nacht traf Ulf die schöne, nackte Lonka.

Am nächsten Morgen stellte er erschrocken fest, dass er das Gebiet der Externsteine nicht mehr verlassen konnte. Ein älteres Ehepaar, das ihn heimfahren wollte, verunglückte tödlich.

Die Polizei untersuchte den seltsamen Unfall und begann den vermissten Jungen an den Externsteinen zu suchen. Aber immer wenn Beamte in seine Nähe kamen, zog dichter Nebel auf. Die Suchhunde wurden durch fremde Gerüche in die Irre geführt.

Plötzlich stand Ulfs Klavier an den Externsteinen, und er konnte Lonka vorspielen.
In seinen Gedanken wurde er Ludwig van Beethoven.

Als er sich morgens im See wusch, sah er sein Spiegelbild – mit einem schwarzen Herz auf seiner Stirn.

In der Zeitung las ich von dem seltsamen Unfall und dem verschwundenen Jungen. Ich witterte eine Story und fuhr nach Detmold. An den Externsteinen traf ich Ulf und bekam Angst vor dem, wovon er mir erzählte. Er lebte anscheinend zwischen verschiedenen Welten.

Dann alterten die Polizisten und Hunde, die im Nebel gewesen waren und starben in Minuten. Ihre Leichen verschwanden aus dem Präsidium in Detmold und lagen bald schon im See an den Externsteinen.

Dort waren die ersten schwarzen Herzen zu sehen.

Das Gebiet um die Externsteine wurde gesperrt. Spezialisten suchten nach Giften oder Kampfstoffen.

Auch am nahen Hermannsdenkmal tauchten schwarze Herzen auf, die sich niemand erklären konnte. Sie sahen alle gleich aus und ließen sich nicht entfernen.

Als ich Ulf von den Externsteinen wegbringen wollte, verlor ich das Bewusstsein und kam erst im Krankenhaus wieder zu mir.

Ulf geriet tiefer in die andere Welt. Ihm begegnete eine Fee, und er sah sogar Zwerge. Die Fee zeigte ihm den wahren Ludwig van Beethoven, der noch eine zehnte und elfte Sinfonie komponierte, noch bombastischer als die neunte.

Die Geschehnisse wurden immer verworrener.

Und immer mehr schwarze Herzen tauchten auf.

 

 

Der Drache an den Externsteinen

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Hartmut Rißmann Krimis